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04
11
2020
Hagen

«Wir sind als Mannschaft enorm zusammengewachsen»

Das rad-net ROSE Team gewann mit Jakob Geßner, Linus Rosner, Jannis Peter, Henrik Pakalski, Pirmin Benz, Marten Schomburg und Henri Uhlig (v. li.) die Gesamtmannschaftwertung der Rad-Bundesliga 2020. Foto: Mareike Engelbrecht

Auch wenn es coronabedingt nur eine kurze Saison war, war 2020 nicht weniger erfolgreich für das rad-net ROSE Team. Auf der Straße feierte das rad-net ROSE Team den Gesamtsieg in der Mannschaftswertung der Rad-Bundesliga sowie mit Jakob Geßner und Pirmin Benz Platz zwei und drei in der Einzelwertung, zudem holte Felix Groß drei UCI-Siege in Polen. Auf der Bahn wurde Groß zweimal U23-Europameister und Theo Reinhardt konnte sich über WM-Bronze im Zweiermannschaftsfahren freuen.

Für die Bahn-Spezialisten des rad-net ROSE Teams war die Saison sogar noch kürzer. Lief die Planung zu Beginn des Jahres noch voll auf die Olympischen Spiele hinaus, kam direkt nach der Weltmeisterschaft in Berlin, bei der Theo Reinhardt gemeinsam mit Roger Kluge nach zwei WM-Titeln Bronze im Zweiermannschaftsfahren holte, der Dämpfer. Olympia wurde verschoben und mit der U23-Europameisterschaft konnte die einzige internationale Meisterschaft im Oktober ausgetragen werden – die aber nicht unerfolgreich für rad-net ROSE-Fahrer Felix Groß: Er wurde nicht nur erneut Europameister in der Einerverfolgung, sondern schnappte sich auch Gold im 1000-Meter-Zeitfahren. Gemeinsam mit seinen rad-net ROSE-Teamkollegen Tobias Buck-Gramcko und Nicolas Heinrich sowie Richard Banusch (LKT-Team Brandenburg) holte Groß auch noch Bronze in der Mannschaftsverfolgung.

Die Rennfahrer des rad-net ROSE Teams beim Trainingslager auf Mallorca. Foto: rad-net ROSE Team

Eigentlich sollte die Straßensaison für die Rennfahrer des rad-net ROSE Teams Anfang März in Kroatien beginnen. Das Team war auch schon angereist, hatte die Umag Trophy und die Porec Trophy, doch zur Rundfahrt Istrian Spring Trophy kam es aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr. Bis Mitte Juli kam der internationale Rennzirkus komplett zum Erliegen. Dann gewann aber Felix Groß zwei Etappen der polnischen Rundfahrt Dookola Mazowsza (UCI 2.2) und damit auch die Nachwuchs- und Sprintwertung, und der 22-Jährige ließ einen Tag später noch einen Sieg bei dem Eintagesrennen Puchar Mon (UCI 1.2) folgen.

Ein weiteres Highlight auf der Straße war natürlich auch der Sieg in der Mannschaftswertung der «Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga». Die Grundlage dafür legte das rad-net ROSE Team bei der U23-Meisterschaft im Einzelzeitfahren in Genthin, bei der Tobias Buck-Gramcko die Bronzemedaille gewann und mit Pirmin Benz und Jannis Peter zwei weitere rad-net ROSE-Fahrer in die Top Ten fuhren. Bei der Sauerlandrundfahrt bestätigte das rad-net ROSE Team mit einem erneuten Tagessieg die Position in der Teamwertung, genauso wie beim Finale in Ilsfeld-Auenstein. Dort konnte sich Benz auch noch aufs Podest schieben, während Geßner seinen im Sauerland errungenen zweiten Gesamtrang verteidigte und obendrein als Tagesdritter Bronze bei der Berg-DM der U23-Klasse gewann. «Wir haben in dieser Saison gezeigt, dass wir mit einer so jungen Truppe – wir sind mit Abstand die jüngste Bundesliga-Mannschaft, auch auf Continental-Ebene – mehr als konkurrenzfähig sind. Wir haben ordentlich für Furore gesorgt», bilanzierte Geßner.

Henri Uhlig (li.) wurde bayerischer Meister im Zeitfahren, Linus Rosner holte sich den Titel im Straßenrennen. Foto: rad-net ROSE Team

Auch für Henri Uhlig und Linus Rosner war der Sieg in der Mannschaftswertung ein großartiger Erfolg in 2020. «Der Gesamtsieg in der Bundesliga-Mannschaftswertung war mein Highlight. Das zeigt, wie gut wir als Team gefahren sind», sagte Uhlig und auch Rosner bestätigte: «Trotz eines bekanntermaßen schwierigen Jahres haben wir es geschafft, den grandiosen Teamspirit über die ganze Saison aufrechtzuerhalten. Wir waren im Rennen füreinander da, wenn es drauf ankam. Der Sieg in der Teamwertung war klasse.» Henrik Pakalski sagte: «Es war einfach ein tolles Gefühl, mit so einem großartigen und tollen Team die Mannschaftswertung zu gewinnen.» «Wir haben damit bewiesen, dass wir zu den stärksten deutschen Teams gehören. Da ließ es sich auch verschmerzen, dass wir nicht mehr das lila Trikot holen konnten», ergänzte Geßner.

Das rad-net ROSE Team beim Trainingslager in Konz. Foto: rad-net ROSE Team

Eine wichtige Rolle spielte dabei auch das gemeinsame Trainingslager im Juli in Konz. «Dort sind wir als Mannschaft nochmal enorm zusammengewachsen. Es war unglaublich schwer, die Motivation aufrechtzuerhalten, auf ein ungewisses Ziel hinzuarbeiten während der Corona-Zeit und dort konnten wir, nachdem wir mehrere Monate nur für uns oder in kleineren Gruppen trainieren konnten, wieder gemeinsam wichtige Trainingskilometer sammeln. Wir haben uns gegenseitig motiviert und das war meiner Meinung nach ausschlaggebend dafür, dass wir gut neu in die Saison gestartet sind», beschrieb Geßner die Situation. «Wir harmonieren sowohl auf dem Rad als auch abseits des Rads gut. Wir können eine super Zeit zusammen verbringen und sind zu einer richtigen Mannschaft zusammengewachsen.» Wichtig war für die Rennfahrer dabei auch, dass sie sich während der Corona-Zeit wöchentlich per «Zoom» verabredet hatten, damit Kontakt hielten und sich austauschten – auch über banale und alltägliche Dinge.

Pirmin Benz (re.) und Henrik Pakalski vom rad-net ROSE Team beim Sachsenringradrennen. Foto: Mareike Engelbrecht

Aber die Rennfahrer des rad-net ROSE Teams hatten auch persönliche Highlights. So berichtet Henrik Pakalski etwa von der Tour de l’Ain, wo er sowie Jakob Geßner und Jannis Peter auf nicht weniger als zwölf WorldTour-Teams trafen. «Es war einfach eine unglaubliche Erfahrung, mit so vielen guten Profis wie Chris Froome, Primoz Roglic und Egan Bernal im Feld zusammen zu fahren. Das war nochmal etwas ganz anderes und so viel Neues, was man erleben und auch lernen konnte», schwärmte Pakalski. Auch Geßner stimmte dem zu: «Es war großartig mit ihnen am Start zu stehen und die Möglichkeit zu bekommen, sich auf der für uns höchstmöglichen Ebene zu messen.» Rosner zeigte sein Talent mit dem neunten Platz bei der schweren Deutschen Straßenmeisterschaft auf dem Sachsenring: «Das hat mir gezeigt, dass ich auch in der Elite-Klasse nach einem schweren Rennen in der Lage bin, vorne mit anzukommen.» Für Peter war Rang acht bei der Zeitfahrmeisterschaft in Genthin das Saisonhighlight, «obwohl der achte Platz dann doch nicht ganz zufriedenstellend war.»

Jakob Geßner zeigte bei der Sauerland-Rundfahrt ein starkes Rennen. Foto: Mareike Engelbrecht

Und Geßner blickt bereits auf 2021: «Klar, wir haben Ambitionen für nächstes Jahr. Wir schauen, wie sich alles weiterentwickelt und hoffen darauf, dass Corona uns nicht nochmal einen Strich durch die Rechnung macht und die Saison 2021 ein wenig mehr planbar sein wird. Jetzt heißt es aber erst einmal, die Pause zu genießen und uns dann neu zu fokussieren, um 2021 in Angriff zu nehmen. Wir sind alle höchst motiviert, über den Winter fürs kommende Jahr zu arbeiten.» Ziele sollen da auch wieder die Rad-Bundesliga und damit verbunden auch die Qualifikation für die Deutschland-Tour sein. «Wir wollen bei jedem Rennen um den Sieg mitkämpfen!»